Wenn ich an Gedanken, Emotionen oder Anteile komme, die ich jahrelang ignorierte, dann kann es unangenehm werden. Zu erkennen, was ich nicht sehen möchte. Der Wirklichkeit ins Auge zu blicken, mir selbst zu begegnen. Das ist nicht immer leicht. Vor allem nicht, wenn das Ego seine Existenz daraus bezieht. Doch die Wahrheit, ist mächtiger, denn sie befreit.

Doch bis ich in der Lage bin, mich ihr zu stellen und mich in den aufkommenden Gefühlen zu halten und die erscheinenden Gedanken anzunehmen und der  Unwahrheit entgegenzutreten, können Wochen vergehen.

Wenn das Ego im Survival-Modus ist, dann holt es sein Überlebenspaket raus.

Täuschung. Verschleierung. Kompromisse. Trägheit. Relativismus. Doppelmoral. Widerstand. Verständnis. Falsche Akzeptanz. Dissoziierte Stille. Arroganz… 

Um nur einige Waffen des Egos zu nennen.

Diese Phänomene in sich zu beobachten, sich davon nicht ablenken oder Mitreißen zu lassen, ist eine der größten Herausforderung im Verlauf der Selbsterforschung. 

Das Ignorieren, das nicht wahrhaben wollen der Wahrheit innerhalb unserer erlebten Wirklichkeit, führt über kurz oder lang zu Schmerz. 

Es kostet immens Kraft, die Illusion der heilen Welt aufrecht zu erhalten. Kraft die wir für andere Dinge, wahrhaftige Dinge nutzen können. 

Durch den Kampf durchzugehen und mich selbst in allem zu halten, während dessen im radikalen Mitgefühl zu beobachten, wie das Ego am kämpfen ist und es aus der Mitte meines Herzens zu umarmen, hilft mir, die Unwahrheit von der Wahrheit zu unterscheiden. 

Wenn dieser Differenzierungsprozess sich vollzogen hat, dann beobachte ich, wie sich in der Dunkelheit meines Wesens Licht auftut. Der Schleier lüftet sich, Druck fällt ab und ein zuvor Egomotivierter Anteil verwandelt sich in ein Ausdruck zum ganzen hin. Ganz automatisch bilden sich nach einiger Zeit neue Handlungsweisen und Qualitäten oder Fähigkeiten, vor allem wenn, ich mit einer Energie oder einem Anteil in mir in bewertenden Konflikten war. 

Bei dem ganzen Prozess bleibe ich in Akzeptanz. Ich akzeptiere, was in mir erscheint und lass es fließen, wohin es möchte. Ich akzeptiere meine körperlichen Impulse und ohne mich darin zu verlieren, fange ich entweder an zu schreien, zu weinen, zu lachen. Wenn mein Körper sich bewegen möchte, dann soll er das tun, egal ob es heftiges Zittern oder sanftes tanzen ist. Manchmal wird es unerträglich, denn auf energetischer oder seelischer Ebene, scheint das Ego heftig seine Fäden zu ziehen. Der Atem ist hier ein guter Anker. 

Wenn dieser Prozess durch ist, dann kann ich subtil im Energiekörper spüren, wie etwas aus meinem System abfließen möchte. Früher hat mich das verunsichert. Heute lass ich es fließen und fühle, das ich gereinigt werde, von was auch immer. Altes Karma.

Anschließend erlaube ich mir die Reflexion. Ich gehe in Gedanken nochmal in den Prozess und beobachte ihn aus der Meta-Ebene und analysiere meine Gedanken, die sich währenddessen auftun. Ganz bewusst bin ich dann in der Haltung, welche ich dabei hatte und wie sich mein Energiesystem verändert. Ich versuche zu verstehen, was passiert ist und wie das passiert. 

Die Leichtigkeit und das neue Lebensgefühl, das nach solchen Prozessen in mir aufkommt, sind manchmal fremd. Dann brauch ich eine Zeit, um mich daran zu gewöhnen. Doch immer fühle ich mich danach lebendig, wenn auch kraftlos, durch den durchlebten Reinigungsprozess. 

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Melde Dich jetzt zum Newsletter an.

Trete jetzt dem Newsletter bei und erhalte regelmäßig Informationen zu neuen Beiträgen, Events oder speziellen Angeboten.

Du hast dich erfolgreich eingeschrieben.

Share This